Ludwigsfelde war vor dem Industriezeitalter eine kleine Landgemeinde südlich von Berlin. Die Infrastruktur der Region legte jedoch den Grundstein für spätere industrielle Entwicklungen.
Wichtige Entwicklungen
- Frühe Metallbearbeitung und handwerkliche Baubetriebe in der Region
- Ausbau der Eisenbahnverbindungen – Grundlage für Industrieansiedlung
- Wachsende Verkehrsinfrastruktur durch die Nähe zur Reichshauptstadt Berlin
- Erste gewerbliche und handwerkliche Strukturen in Ludwigsfelde
Das Jahr 1936 markiert den Beginn der Großindustrie in Ludwigsfelde. Auf Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums entstand in Genshagen ein modernes Flugmotorenwerk.
Chronologie
- 1935: Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums zum Bau eines Großserien-Flugmotorenwerks
- 24.01.1936: Gründung der Daimler-Benz Motoren GmbH Genshagen
- 1936: Baubeginn – erste Hallen bereits im Herbst fertiggestellt
- 1936: 180 Beschäftigte → 1937: bereits 5.600 Beschäftigte
- Februar 1937: Erster Flugmotor fertiggestellt
- 1937: 10 Produktionshallen, ca. 88.000 m² Werkstattfläche
- Bis Ende 1937: 615 Motoren DB 600 und 150 Motoren DB 601 produziert
Infrastruktur und Versorgung
- Aufbau energetischer Anlagen (Hilfsprozess „Energetik", 1936–1941)
- Medienversorgung: Heizung, Trinkwasser, Stadtgas, Druckluft, Abwasser, Elektroenergie
- Entwicklung von Eisenbahn- und Autobahnanbindungen
Ende des Werks
- Zerstörung von Teilen der Energiesysteme im Zweiten Weltkrieg
- Überlebende Energieanlagen wurden von Nachfolgebetrieben weitergenutzt
- 1945: Einrichtung einer kommunalen Autoreparaturwerkstatt (Instandsetzung für Gemeindefahrzeuge und Fahrzeuge der Roten Armee)
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Werk in Trümmern. Die Demontage durch die Sowjetunion und der anschließende Wiederaufbau prägten diese Übergangsphase.
- Ende der Demontage (1948): Sprengung der verbliebenen Daimler-Benz-Fertigungshallen
- Kein bedeutender Arbeitgeber mehr in Ludwigsfelde/Genshagen → Pendeln nach Berlin
- Kommunalpolitiker fordern dringend neue Industrieansiedlung
- Aufbau der DDR-Streitkräfte schafft neuen Bedarf – insbesondere an Torpedoschnellbooten
- Entscheidung zur Eigenproduktion: Kopierung des Mercedes-Benz 518 Schiffsdiesels
- 1951: Regierungsbeschluss zum Bau eines neuen Werks (Kapazität: 100–150 Motoren/Jahr)
- Projekt M77 (1951): Planung der Großmotorenfertigung, Standort Ludwigsfelde ausgewählt
- Gründung des VEB Kraftmaschinenbau Ludwigsfelde; Kontoeröffnung mit 10.000 DM
Mit dem Bau des W50 begann eine neue Epoche: Ludwigsfelde wurde zur Lastwagenstadt der DDR.
- 1963–1965: Aufbau der LKW-Produktion W50 (NKW – Nutzkraftwagen)
- W50: Meistgebauter LKW der DDR – in zahlreichen Varianten gefertigt
- L60: Weiterentwicklung und Nachfolger des W50
- Technologische Entwicklungen: CNC-Technik, neue Schweißtechnologien
- Werksumbauten 1963–1990 für steigende Produktionskapazitäten
- Viele Beschäftigte aus der gesamten Region arbeiteten im Werk
- Motorsport: Motorboot-, Motorroller- und Motorsportclub in Ludwigsfelde
Die Wende brachte tiefgreifende Veränderungen. Internationale Konzerne übernahmen Teile des Werks und sicherten Arbeitsplätze in der Region.
Mercedes-Benz Ludwigsfelde
- 1991: Übernahme durch Mercedes-Benz
- Umfangreiche Werksanierung und Modernisierung
- Produktion des Mercedes-Benz Sprinter – bis heute
- Produktion des Vario (leichter Transporter)
- Ludwigsfelde als fester Teil der Mercedes-Nutzfahrzeugfertigung in Europa
MTU Maintenance Berlin-Brandenburg
- MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH: Triebwerkswartung und -überholung
- Anknüpfung an die Tradition der Triebwerksfertigung seit den 1950er Jahren
- Internationaler Wartungsbetrieb für zivile und militärische Triebwerke
Weitere Betriebe
- Umformtechnik GmbH: Werkzeugbau und Produktionsmittel
- Metall- und Baubetriebe als Nachfolger historischer Gewerbe
- Lehrausbildung: Tradition der Berufsausbildung im Werk fortgeführt
- Ludwigsfelde als anerkannte Automobilstadt in Brandenburg
🚛 Auf dem Land
- Motorroller: Pitty, Wiesel, Berlin, Troll 1 (1953–1964)
- Dieselkarren / Dieselameise DK 2002L (1954–1956)
- Spezial-PKW P3
- LKW W50 und L60 (1965–1990)
- Mercedes-Benz Sprinter und Vario (1991–heute)
- Fahrradhilfsmotoren, Kleinmotoren, Rennmotoren
✈ In der Luft
- Flugmotoren DB 600 und DB 601 – Daimler-Benz Genshagen (1937–1945)
- Arbeiten am Passagierjet „152" der DDR
- Triebwerksreparatur und -wartung – IWL und MTU Maintenance (1952–heute)
⚓ Auf dem Wasser
- Hochleistungs-Schiffsdieselmotor 20 KVD 25 (1953–1957)
- Nachbau Daimler-Benz Motor MB 511 (2.500 PS) für Torpedoschnellboote
- Einsatz in DDR-Seestreitkräften und sowjetischer Kriegsmarine